Mr. Pink

Auf den Hund gekommen...

...bin ich, als meine Nachbarn bei mir nächtigen mussten, weil sie ihren Schlüssel verloren hatten. Die haben einen Jack-Russel-Mix, ’Acid’. Meinen Kater ’Yuppie’ hatte das wenig beeindruckt und er hatte sich schnell mit dem Neuling arrangiert. Da Yuppie damals seine Schwester verloren hatte, die ein Jahr zuvor verstorben war, war es einsam um ihn geworden. Andere Katzen akzeptierte er leider nicht. Dies war der Schlüsselpunkt zu meiner späteren Entscheidung.

Ich machte mich nun auf die Suche im Internet. Ich schaute bei kijiji Berlin gezielt nach Hunden, die für Katzenhaushalte geeignet sind. Da ich mich entschieden hatte, sollte es nun auch ganz schnell gehen.

Ich schaute mir eine einjährige Hündin an, die mit drei Katzen, einen Hund und drei Kindern zusammenlebte. Aber bei meinen Besuch hatte ich ein sehr ungutes Gefühl. Sie wirkten auf mich unseriös und gaben mir auch keine Informationen zu der Hündin. Sie wollten nur schnell Geld und am besten gleich. Die Hündin wirkte auf mich extrem unruhig und gestresst. Nahm keinen Kontakt zu den Menschen in ihrer Nähe auf. Danach war ich geschockt. Mir taten alle Tiere leid in diesem Haushalt. Aber ich bin nicht so hundeerfahren, dass ich eine solch hohe Herausforderung mit einem Problemhund bewältige. Zudem hatten sie noch mehrere Interessenten und ich hoffte, dass die Hündin ein schönes zu Hause gefunden hat. Das musste ich erst mal verdauen.

Ich überlegte, was für mich in Frage kommen würde. Ich kam zu der Ansicht, umso jünger umso besser und Mischling fände ich gut. Der Rest ist Gefühlssache. Ich begab mich weiter auf die Suche, nur etwas ernüchterter nach der letzten Erfahrung. Dann bin ich über einen Link auf die Seite www.tiere-in-not.de gestoßen. Diese Seite ist sehr gut und informativ aufgemacht und man hat Übersicht über Tierschutzhilfen in Europa. Zu jedem Tier gibt es ein Foto und ausführliche Informationen, die auch seine Geschichte beinhaltet. Es ist alles sehr schön geschrieben und nicht selten kullerten bei mir die Tränen. Und dann dachte ich, wenn dann hier. Den Tieren geht es schlechter als in unseren deutschen Tierheimen. Sollen sie eine Chance bekommen.

Dann fand ich ein kleinen Hund, ganz zottelig und putzig. Sie war auch noch ganz jung, im Welpenalter. Ich rief sofort bei der Pfotenhilfe Spanien e.V. (www.pfotenhilfe-spanien.de) an und kam so in den Kontakt mit Silke Rehberg. Sie erzählte mir dann, dass die Hündin erst kürzlich in eine Pflegestelle mit Option auf Endstelle vermittelt wurde. Ich hatte gar keine Zeit meiner Enttäuschung Platz zu machen, da kam schon die Information über drei Pointer-Mix Welpen, die noch nicht ins Netz reingestellt wurden. Ob ich Interesse hätte? Aaaha.., ich war wirklich überrascht und sollte auch in Kürze per email Fotos bekommen. Ich glaube, meine Unsicherheit hat man mir auch angemerkt. Das wäre auch alles unverbindlich. Meine Unsicherheit lag aber nur daran, dass ich nicht wusste was der Pointer für eine Rasse ist. Wie peinlich, ich will einen Hund und kenne die Rassen nicht. Da hab ich mich gleich schlau gemacht. Dann kamen ziemlich zügig schon die Bilder von den drei Süßen und damit die Qual der Wahl. Vom Gefühl hatte ich schnell meine Wahl getroffen, wobei dies eher den optischen Reizen zugrunde lag. Naja, einer ist besser als keiner. Ich wäre auch nicht enttäuscht gewesen, wenn mir jemand die Wahl abgenommen hätte. Trotz eventuell ausgeprägtem Jagdtrieb habe ich mich für einen der drei Welpen entschieden. Befreundete Jäger haben mir Tipps und Ratschläge gegeben und alle halten sie Katzen im Haus und Hof.

Ja und dann ging alles sehr schnell. Ich bekam Besuch von einem der ehrenamtlichen Helfer in Berlin, ob mein Heim geeignet ist und viele Fragen. Das finde ich sehr löblich und seriös!! Ich habe ja auch viel Tipps bekommen. So ist sichergestellt, dass die vermittelten Tiere auch vernünftig untergebracht werden. Wobei ich etwas Angst hatte, dass es aus irgendwelchen Gründen nicht klappt. Aber es klappte!! Und dann auch noch wahnsinnig schnell. Alles in allem keine drei Wochen. Und zum Glück habe ich mich für den richtigen Hund (er hieß Blacky) entschieden. Ein Anruf von Alexander Konrad (ein weiterer Mitarbeiter der Pfotenhilfe Spanien) informierte mich darüber, dass ’Blacky’ eine angebrochene Vorderpfote hat und er fragte mich, ob ich bei meiner Entscheidung bleiben möchte. Aber Hallo!! Dann erst recht, er muss nach Deutschland!! Die Nachricht, dass er schon in einer Woche kommen kann, freute mich riesig. Es war natürlich auch ein rießen Glück, dass eine Flugpatin nach Berlin-Tegel gefunden wurde. Aber ich hätte ihn auch überall in Deutschland abgeholt. Aber so war der Reisestress für ’Blacky’ optimal in Grenzen gehalten. Arztbericht und Röntgenbild bekam ich schon vorab per Mail. Die Originale, Pass und Medikamente sind dann bei der Übergabe dabei. Alexander Konrad hat mich auch informiert, wie ich ihn die erste Zeit sichern muss. Sehr gut!! Geschirr und Halsband -doppelt gesichert, damit sie sich nicht losreißen bei Ängstlichkeiten bzw. schreckhaften Erlebnissen und Stresssituationen vermeiden.

Ich fing dann an alles vorzubereiten. Hundefutter und ein paar Leckerlis, eine Decke und ein Spielzeug für den Kleinen.. Zwei Geschirre, ein Halsband, eine Schleppleine, Kotbeutel, zwei Leinen ... also das ganze Pipapo. Dann das Warten auf den Tag der Tage. Ich war so aufgeregt und musste mich wirklich stark zusammenreißen. Ankunft am 16.9.2012 um 19:20 Uhr Berlin–Tegel. Ich hatte Flugdaten und den Namen der Flugpatin. Ich war viel zu früh da und dann noch Flugverspätung von einer halben Stunde. Ich konnte es ja kaum noch abwarten. Zum Glück waren noch andere da, die auf ihr Tier von der Flugpatin warteten und so konnten wir uns alle mit Unterhaltungen von der Aufregung ablenken.

Dann war es soweit. Ein großer Wagen mit drei Transportboxen kam mit der Flugpatin aus dem Terminal rausgerollt. Die zwei anderen Transportboxen waren sichtbar ausgefüllt. Nur die ganz große..?! Die sah irgendwie leer aus?! Die Flugpatin rief gleich: ’’..zwei Katzen und ein Hund!’’ Aber dann doch, man musste sich bücken um ganz hinten in der letzten Ecke den winzigen Kerl zu sehen. Aufgeregt, geduckt und Schwanz wedelnd kam er nach vorn. Und alle gleich: ’’ Boah ..ist der süß!!’’.

Ich beruhigte mich und auf der Heimfahrt hörte ich ein leises Schnarchen neben mir aus der Box. Angekommen in meiner Straße merkte ich schnell, das er noch sehr unsicher und ängstlich war. Auf drei Beinen hinkte er die wenigen Meter zur Haustür. Ich nahm ihn auf den Arm und trug ihn die Treppen bis zu meiner Wohnung hoch. Dort ließ ich ihn bewusst in Ruhe, sollte er doch erst mal alles beschnuppern. Frisches Wasser stand bereit. Nicht lange, da legte er sich auf seine Decke und fiel in tiefen Schlaf. Ich schrieb dann gleich eine Mail an Silke Rehberg und eine SMS an Alexander Konrad mit der Info, dass alles gut geklappt hatte. Nach vier Stunden bin ich runter mit ihm, damit er sich entleeren kann. Dann alle zwei Stunden. Durch geregelte Fütterungszeiten in den kommenden Tagen konnte ich schnell einen Rhythmus finden. Mit Yuppie hat er sich schnell angefreundet und sie geben sich bis heute noch jeden Tag das Näschen. Am nächsten Tag bin ich gleich zu meinem Tierarzt. Dort bekam er ganz viel Zuwendung und einen richtigen Gipsverband. Spielverbot mit anderen Hunden wurde ihm auferlegt.

Und nach einer Woche war ich schon ganz klar sein Frauchen. Da ich viel Zeit hatte konnte ich mich zunächst seinen Ängsten des Stadtlebens widmen. An zwei Tagen fütterte ich ihn beispielsweise nur an der Tramhaltestelle im Zeitraum mehrerer Stunden. Zig Bahnen sind vorbei gefahren und bald haben sie ihn nicht mehr interessiert. Das waren die schlimmsten Monster. Seinen Namen hatte ich geändert, da er weder schwarz aussieht noch schwarz vom Charakter ist. So nennt er sich jetzt Mr. Pink. Dadurch, dass er so putzig auf andere Menschen und Kinder wirkte und dann noch obendrein mit seinem Gipsbeinchen, bekam er enorm viel Aufmerksamkeit im Kiez und überall. Das war sehr hilfreich, um all das Neue (Skater, Rollstuhlfahrer, Fahrradfahrer) vertraut zu machen. Danke liebe Friedrichshainer!! Mr. Pink war eine kleine Kiezberühmtheit geworden. Ich hab mich dann zügig um eine Hundetrainerin bemüht. Damit das Training beginnt, wenn sein Bruch ausgeheilt ist. Nun war es aber auch an der Zeit seinen Nachbarn kennen zu lernen. Sie haben sich gleich richtig dick angefreundet, Acid und Mr. Pink sind ein unzertrennliches Gespann geworden. Richtig dicke Kumpels!! Nach zwei Monaten war der Bruch ausgeheilt und ihm ging es prächtig. Im November ging es dann auch gleich noch mal zum Campen in der sächsischen Schweiz. Gemeinsam mit den Nachbarn wandern und am Lagerfeuer sitzen. Die letzten warmen Tage genießen. Da konnte er endlich mal so richtig Hund sein und von seinem Kumpel Acid viel lernen. Leider auch viel Unsinn;)..

Eine professionellen Hundetrainer kann ich nur empfehlen, denn auch wenn man meint man kann das alles, sieht man doch manchmal den Wald vor Bäumen nicht. Für uns war es sehr hilfreich und ich kann noch viel darauf aufbauen. Ich besuche regelmäßig meine alte Arbeitstelle und biete tiergestützte Kommunikation an. Bewohner zeigen sichtbar Freude, wenn ich bzw. Mr. Pink vorbei kommt. Auch wenn er noch keine Ausbildung hat, umso früher man ihn daran gewöhnen kann, umso besser. Ich habe diese Möglichkeit, weil man mir großes Vertrauen in dieser Einrichtung schenkt. Ich habe nun ein halbes Jahr intensiv mit Mr. Pink arbeiten und leben können und er ist mit seinen 10 Monaten schon ein richtiger Traumhund. Pubertäre Phasen durchläuft jeder Hund und man muss sowieso und generell immer am Ball bleiben. Aber ich konnte durch diese intensive Zeit einen Basis von großer Vertrautheit schaffen und einen Hund als treuen Freund gewinnen. Im Sommer möchte ich ihn auf die Therapie- und Begleithund-Ausbildung vorbereiten.

Ich bedanke mich noch mal sehr bei der Pfotenhilfe Spanien e.V. und dem gesamten Team!! Sie retten nicht nur Hunde, sondern machen auch Menschen glücklich!! Und ich bewundere diesen Einsatz, dass sogar noch an Feiertagen spät Abends gearbeitet wird und Mails versendet werden, WOW!! Ich finde es auch toll, dass ein echtes Interesse besteht, was aus den Tieren wird und wie sie sich entwickeln. Und ich weiß, wenn ich Fragen habe werde ich erhört. SUPER! Ich freue mich auf das Sommerfest, dann lernt man mal all diese engagierten Menschen kennen. Und vielleicht trifft Mr. Pink dann seine Schwester!! Das wäre ja großartig!!

 
Antonia und Mr. Pink


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